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Der Eichenprozessionsspinner

Kurzbeschreibung zur Biologie:

Der Eichenprozessionsspinner ( lateinisch = thaumetopoea processionea ) ist ein Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von ca. 25-32 mm. Die Farbe ist braungrau bis gelblichgrau mit unscharf abgesetzten Querbinden. Die Raupen haben eine dunkle, breite Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern und rotbraun behaarten Warzen. In ihrer Entwicklung durchlaufen sie 5-6 Häutungen bis zu ihrer Verpuppung. Dabei werden sie bis zu 5cm lang.
Der Raupenschlupf findet etwa mit dem Austrieb der Eichenblätter Mitte April bis Anfang Mai statt. Nach dem Ausschlupf aus den Eiern ( 0,5 - 1mm ) beginnt die stärkste Fraßtätigkeit der Raupen an den Blättern. Diese nimmt nach dem dritten Verpuppungsstadium – etwa Ende Mai bis Anfang Juni – wieder ab.

Im August legt das Weibchen im sonnigen oberen Kronenbereich an den äußeren Zweigen der Eichen etwa 100 bis 200 Eier in länglichen Eiplatten ab und tarnt sie mittels graubrauner Kittmasse sehr geschickt in den Farben des Eichenzweiges. Dann überwintern die Eier.
Im Mai schlüpfen die kleinen Raupen aus den Eiern und fressen an den frisch ausgetriebenen Eichenblättern. Tagsüber sammeln sie sich im oberen Kronenbereich und sind somit von unten kaum sichtbar. In diesem Stadium sind die Brennhaare noch nicht entwickelt.
Diese entwickeln sich erst im dritten Häutungsstadium - je nach Witterung - Ende Mai Anfang Juni. Die Raupen wandern nun - meist nachts - in Prozessionen zu den Fraßplätzen. Tagsüber sammeln sie sich in den gesponnenen Nestern, die 10 bis 100 Zentimeter groß sein können und am Stamm meist an Astgabeln angebracht sind. Durch Kot und Häutungsreste sieht das Nest etwas schmutzig aus. Im Juli – nach der 5. oder 6. Häutung – verpuppen sich die Raupen im Nest in gelbbraunen Kokons. Nach 3-6 Wochen in der Puppe schwärmt der fertige Falter im August und legt wiederum Eier.

Arbeitseinsätze:
     

August Eiablage 100-200 Stück, zirka 1 mm groß
September bis April Überwinterung im Ei an ein- bis zweijährigen Zweigen im oberen Kronenbereich (Sonne)
Ende April bis Mitte Mai Rechtzeitig zum Austrieb der Eichenblätter schlüpfen die Raupen im oberen Kronenbereich – noch keine Brennhaare vorhanden
Juni An dem dritten Häutungsstadium hat die Raupe Brennhaare - die Raupen fallen jetzt besser auf - Nester am Stamm und in der Astgabel
Juli Verpuppung im schmutzigen Nest aus Gespinst und Kot
August Schwärmzeit der Falter, Eiablage

Entwicklungszyklus:
      
Quelle: http://www.lwf.bayern.de

Gefahren durch den Eichenprozessionsspinner

Ab dem dritten Verpuppungsstadium sind die Brennhaare der Raupe vollständig ausgebildet. Diese Brennhaare ( Gifthaare ) rufen auf der Haut und den Schleimhäuten toxische und / oder allergische Reaktionen hervor - bis hin zu Asthmaanfällen.
Die Haare der Raupe können zirka 100m weit fliegen und hier ihre schädliche Wirkung hinter-lassen. Die Angabe von 100m beruht hierbei nur auf einer durchschnittlichen Entfernung. Die spürbare Verbreitung der Raupenhaare kann auch wesentlich weiter zu spüren sein. Dies ist jedoch von vielen Faktoren abhängig.

Eine Hauptgefahr geht von den Nestern aus. Nicht nur die hierin befindlichen Raupen, sondern auch die angesammelten Häute, die bei jeder Weiterentwicklung zurückbleiben, enthalten viele Millionen der mikroskopisch kleinen Brennhaare.

Auch wenn die Raupen selbst im Sommer schon verpuppt oder wieder geschlüpft sind, bleibt die Gefährlichkeit der Nester bestehen. Das in den Nesselhaaren enthaltene Histamin Thaumetopein, bleibt nach neuen Erkenntnissen mehrere Jahre aktiv.

Wenn das leere Nest im Herbst vom Baum fällt, verrottet es im besten Fall unter dem gefallenen Laub. Wird dieses Laub dann bei trockener Witterung entsorgt, werden durch die darin enthaltenen verrotteten Nester wieder Millionen von Brennhaaren aufgewirbelt.

Die Raupe selbst stellt ebenfalls eine Gefahr dar. Sie verliert bei ihren Prozessionen dauernd viele ihrer Brennhaare. Läuft man unter einem befallenen Eichenbestand umher, reicht dies in der Regel bereits, um eine gewisse Menge der gefährlichen Haare auf die Haut zu bekommen. Man wirbelt heruntergefallene Haare zum einen beim Laufen vom Boden auf, zum anderen werden sie bereits durch leichten Wind vom Baum geweht.

Besonders schmerzhaft und gefährlich wird es dann, wenn Kinder diese „niedlichen“ Raupen zum Streicheln auf die Hand nehmen. Dies wird uns jedes Jahr aufs Neue durch Ärzte, Eltern oder Erzieher berichtet.

Erste Hilfe bei Kontakt

Bei einer leichten Raupendermatitis mit vereinzelter Pustelbildung auf der Haut kann es genügen, die betroffenen Stellen einige Tage mit einer kortisonhaltigen Salbe zu behandeln. Auch kühlende Umschläge z.B. mit Essigsaurer Tonerde können Linderung verschaffen ( dies beruht auf eigenen Erfahrungen ).

Bei einer stärkeren Hautreaktion oder Atemproblemen bis hin zu Asthmaanfällen sowie bei Augenkontakt sollte auf jeden Fall ein Arzt bzw. eine Klinik kontaktiert werden. Hier können dann höher dosierte Kortisonsalben, Antihistaminika oder Kortison in Tablettenform verordnet werden. Diese Mittel sollten aber nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden. Die meisten Reaktionen, die durch die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners hervorgerufen werden sind unangenehm aber flüchtig. Es können aber in Einzelfällen durch Kontakt allergische Schockreaktionen hervorgerufen werden!

Tipps zur Verhütung von Gesundheitsschäden durch den Eichenprozessionsspinner

  • Informieren Sie sich beim zuständigen Forstamt über die aktuelle Verbreitung der EPS und vermeiden Sie Ausflüge in diese Gegenden während der Raupenperiode in der Zeit von April bis Mitte Juli. Besonders an windigen Tagen ist das Risiko durch umher fliegende Härchen sehr hoch.
  • Beachten Sie Absperrungen von betroffenen Gebieten.
  • Personen mit Atemproblemen ( z.B. Asthma ) oder Allergie-Neigung ist von einem Aufenthalt in einem befallenen Gebiet abzuraten.
  • Wenn Sie sich trotzdem in ein befallenes Gebiet begeben, sollten Sie auf den Wegen bleiben und auf keinen Fall das Unterholz durchstreifen. Vermeiden Sie es, unter möglichen Wirtsbäumen zu verweilen und berühren Sie keine herunter gefallenen Teile von Nestern. Verhindern Sie unbedingt, dass Ihre Kinder lebende Raupen berühren um Sie zu betrachten.
  • Bei der Gartenarbeit in befallenen Gebieten sollten Sie langärmelige Kleidung und lange Hosen aus festem Material tragen, da dies einen gewissen Schutz bietet.
  • Menschen mit Atemproblemen sollten hier während der Raupenperiode die Gartenarbeit an Andere übertragen oder Schutzmasken tragen.
  • Falls Sie nach einem Aufenthalt in einem betroffenen Gebiet einen juckenden Ausschlag bekommen, duschen Sie gründlich mit handwarmem Wasser und wechseln Sie die Kleidung. Die Kleidung sollte dann möglichst heiß in der Waschmaschine gewaschen werden.
  • Bei stärkerem Ausschlag oder Atemproblemen sollten Sie ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Die Bekämpfung und Entsorgung der Eichenprozessionsspinner sollten Sie auf jeden Fall einem Spezialisten überlassen.

Ein abschließender Rat zum Umgang mit Eichenprozessionsspinnern

Keine Panik oder Hysterie !!

Wir sollten uns wohl an den Umgang mit diesem Wärme liebenden Insekt gewöhnen und daran wie man sich ihnen gegenüber verhalten muss. Heute weiß ja auch fast jeder, dass man nicht in ein Wespennest hineinstochern darf.

Unser Aufgabengebiet

Vorbeugende Maßnahmen bis zum 3. Raupenstadium unter Verwendung des Pflanzenschutzmittels Dipel ES (Bacillus Thuringiensis) im Zeitraum Ende April bis Ende Mai:

Hierfür benötigt man eine Motorspritze mit einer starken Leistung, die bei kleineren Bäumen vom Boden aus bis in den oberen Kronenbereich ihre Pflanzenschutzmittel ausbringen kann. Bei größeren Bäumen ab 15 m Höhe kann in Verbindung mit einem Hubsteiger hiermit auch nahezu jeder Baumriese problemlos erreicht werden.

Handelt es sich um große Waldbestände und sind diese in großem Abstand zur Wohnbebauung können die Mittel auch wirksam mit dem Hubschrauber ausgebracht werden. Die Kosten pro Hektar sind bei einem Hubschraubereinsatz für eine große Fläche am günstigsten.

Im Innerstädtischen Bereich sowie auf Friedhöfen, in Parks oder auch in städtischen Randbereichen eignet sich jedoch meist eine starke Rückenmotorspritze – gegebenen Falls in Verbindung mit einer Hubarbeitsbühne -, da man hier punktgenau arbeiten kann und Nichtzielobjekte weitestgehend unberührt bleiben. Des Weiteren werden die Bäume so von oben und von unten behandelt. Dies wäre bei einem Hubschrauber-einsatz so nicht möglich.

Ebenso sind große bodenbetriebene Motorspritzen (Sprühkanonen) nicht die erste Wahl, da hier die Streuwirkung in der Regel viel zu groß ist und somit eine große Menge des Pflanzenschutzmittels sich meist in die Umgebung verteilt.

Zu den Präparaten Dipel ES, Xentari oder NeemPro®tect:

Die Mittel sind rein biologisch und in der ausgebrachten Konzentration ungiftig. Sie werden bei sachgemäßer Ausbringung von den Raupen beim Blattfraß aufgenommen. Der Bacillus wirkt auf den Darmtrakt der Raupen, so dass sie keine Nahrung mehr aufnehmen. Die Raupe stirbt nach kurzer Zeit (1-2 Tage) ab. Diese Mittel wirkt nur auf Blattfressende Raupen !

Biochemische Präparate wie Dimilin haben eine gute Wirkung sind aber so genannte Häutungshemmer, die eine Weiterentwicklung von Larven verhindern. Sie sind nicht ungiftig ! Dies bedeutet beim Ausbringen immer eine weiträumige Absperrung. Außerdem werden hierbei leider auch alle Insekten erfasst, die eine Larvengeneration besitzen - also auch alle Falter und andere Nützlinge. Ebenso darf es nicht im Bereich von Gewässern gespritzt werden.

Insektizide wie z.B. verschiedene Pyrethroide wirken auf alle Insekten tödlich und sollen hierbei keine Anwendung finden.

Unter Abwägung aller Vor- und Nachteile sind zur Zeit biologischen Präparaten wie Dipel ES oder Neem-Produkten den Vorzug zu geben !

Akute Maßnahmen wie Abbrennen oder mechanische Entfernung (Absaugung) ab dem 3. Raupen-stadium im Zeitraum etwa Ende mai bis Anfang Juni:

Wenn man die Brandgefahr nahezu ausschließen kann, ist Abbrennen in einigen Bereichen sicherlich eine gute Alternative um vorhandene Raupennester zu beseitigen. Eine großflächige Abflammung von Bäumen sollte man jedoch vermeiden um hier nicht die Bäume selbst zu schädigen.

Das Absaugen ist hier sicher die aufwändigste Maßnahme um vorhandene Nester zu entfernen. Die gründlichste Methode der Raupenabsaugung ist hierbei der Einsatz eines speziellen Saugers mit Feinfilter (Hepa-Filter) bzw. eines Asbestsaugers, der auch die kleinsten Brennhaare bindet und nicht einfach am Ende des Saugers die Haare wieder in der Gegend verteilt. Auch ist die richtige Vorgehensweise beim Absaugen von wichtiger Bedeutung. Laien wird man unter anderem daran erkennen, dass beim Absaugen von etwas größeren Nestern meist Teile davon nicht im sicheren Sauger, sondern schön verteilt auf dem Boden landen. Genau das sollte vermieden werden !

Eine grundsätzliche Beschreibung wie man ein Nest absaugt ohne dabei sich und die Umgebung zu kontaminieren würde hier sicher zu weit führen.

Wir bevorzugen generell eine Absaugung, aber es gibt immer Bereiche, in denen sich die Nester nur gründlich und effektiv in einer Kombination aus der einen und der anderen Methode beseitigen lassen. Mit der wichtigste Punkt ist und bleibt immer der Eigenschutz.

Zum einen: Wer hat schon Lust sich von den Härchen verbrennen zu lassen ? Und zum anderen kann ein Techniker natürlich nur gründlich arbeiten, wenn er sich selbst keiner Gefahr oder Beeinträchtigung aussetzt.

Darum müssen die Schutzanzüge beim Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln oder beim Entfernen von Nestern eine spezielle Schutzklasse aufweisen.
Das bedeutet:
Vollschutz ist bei diesen Arbeiten eigentlich selbstverständlich.

Unverständlicher sowie fahrlässiger Weise sieht man jedoch immer wieder Gemeindemitarbeiter oder Gartenbaubetriebe - auf Anweisung ihres Dienstherren - mit ungenügendem bis gar keinem Eigen- schutz. Dies bedarf jedoch eines eigenen Kapitels. Grundsätzlich gilt Vollschutz, das heißt Atemschutzvollmaske (idealer Weise Gebläseunterstützt), Pflanzenschutzanzug, Gummistiefel, Gummihandschuhe. Wobei die Übergänge Handschuhe – Anzug und Gummistiefel – Anzug mit Klebeband abzudichten sind. Eine mobile Dusche sollte ebenfalls zur Standartausrüstung gehören.

Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot für vorbeugende oder akute Maßnahmen. Bezüglich Preisen für Einzelbäume, Staffelpreisen für mehrere Bäume oder individuellen Angeboten für großflächige Maßnahmen sowie andere offene Fragen speziell zur Bekämpfung, kontaktieren Sie uns per Mail, Fax, schriftlich oder telefonisch. Erfahrungsgemäß ist eine Klärung offener Fragen telefonisch am schnellsten zu erreichen - ebenso verhält es sich bei Preisanfragen für Einzelbäume.

Bei weitergehendem Informationsbedarf speziell zur Biologie der Insekten folgen Sie bitte den angegebenen Links